Die vom Netzwerk Winter beauftragte Jugendstudie wurde von Prof. Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendkulturforschung durchgeführt. Diese beschäftigt sich mit dem Wintertourismus und brachte interessante Erkenntnisse. „Wir stellen seit Jahren fest, dass immer mehr Jugendliche in Familien aufwachsen, die keinen Wintersportbezug haben. Damit wir diese nicht nur zum Skifahren ermutigen, sondern auch die Hintergründe besser verstehen, haben wir eine Jugendstudie bei einem renommierten Unternehmen in Auftrag gegeben“, erklärt Franz Schenner, Sprecher des Netzwerk Winter.
Es war Schenners Idee, vom Institut für Jugendkulturforschung 2023 erstmalig eine eigene Studie zum Thema „Jugendliche und Wintertourismus“durchführen zu lassen. Diese wurde dann zum ersten Mal beim Medien Forum Zukunft Winter, dort treffen sich alljährlich Entscheidungsträger und Branchenkenner der Seilbahnwirtschaft, vorgestellt. Durchgeführt hat die Studie Prof. Bernhard Heinzlmaier, der 2024 auch eine Weiterentwicklung dieser Studie mit Fokusgruppen gemacht hat. „Somit haben wir für die Nachwuchsarbeit im Skisport wichtige Anhaltspunkte gefunden, an denen wir uns orientieren können“, sagt Schenner.
Doch was sind nun die grundlegenden Erkenntnisse? Wie „cool“ist der Skisport für die heutige Jugendkultur überhaupt (noch)? Wo liegen, auch in Zeiten zunehmender Digitalisierung, ihre wintersportlichen Interessen? „Von den 14- bis 29-Jährigen finden 30 Prozent das Skifahren grundsätzlich cool. Können sich ihre Eltern das Skifahren in der Freizeit preistechnisch leisten, sind die Jugendlichen stolz darauf. Das war eine wichtige Erkenntnis. Jedoch sind wir uns bewusst, dass wir nicht nur die Oberschicht und die gehobene Mittelschicht ansprechen, sondern es auch ein niederschwelliges Skisportangebot in Salzburg geben muss“, so Schenner. Mit dem Angebot „Skifahren lernen in 3 Tagen“– hier können einige Tausend Jugendliche im Rahmen von Schulskikursen Skifahren lernen – ist Salzburg hier tatsächlich ein Vorreiter in Österreich. Die Schule und das Elternhaus entscheiden stark darüber mit, ob Jugendliche später einmal Ski fahren gehen oder nicht. Je früher der Einstieg in den Skisport alterstechnisch erfolgt, desto stabiler ist das spätere Verhaltensmuster. Je früher Kinder Skifahren lernen, desto intensiver und regelmäßiger
„Jugendliche leisten sich das, was sie sich gerne leisten wollen.“Franz Schenner, Netzwerk Winter
wird nach dem 20. Lebensjahr der Skilauf betrieben. „Wir informieren das Elternhaus regelmäßig über wichtige Punkte, denn die Eltern müssen auf dem neuesten Stand der Entwicklungen sein. Nur über die Erziehungsberechtigten können wir die Ski fahrende Jugend gezielter ansprechen“, sagt Schenner.
Fakt ist, dass gesellschaftliche Krisen in den letzten zehn Jahren noch einmal stark zugenommen haben und sich auf das Freizeitverhalten auswirken. 2015 nahm die Flüchtlingskrise ihren Anfang, die Krisen setzten sich unter anderem mit der Verschärfung der Klimakrise, der Coronapandemie und einer Wirtschaftskrise fort. All das wirkt sich nicht nur auf Erwachsene, sondern auch auf die Jugend aus. Mentale und körperliche Erschöpfung macht sich bei vielen Jungen breit – und der Ruf nach Urlaub und Ferien, also Erholungs- und Regenerationsphasen im positiven Sinne, wird lauter und lauter. „Interessant war, dass die Jugendlichen beim Skifahren eigentlich keinen großen Wert mehr auf Party legen. Sie sagen: ,Das ist eher etwas für ältere Semester!‘ Viele Jugendliche gehen im Skiurlaub gerne früher ins Bett, damit sie am nächsten Tag schon früh auf der Skipiste ihre Schwünge in den Schnee zaubern können“, führt Schenner aus.
Winterurlaub, das sind heute für die Jugendlichen eher erholsame Tage mit Familie und Freunden. Wintersport wird vielmehr als hochwertiges Qualitätsprodukt gesehen, das man nicht nur so nebenbei konsumieren sollte. Nach dem Motto: Wenn man sich dieses hochpreisige Qualitätsprodukt gönnt, dann soll es auch mit der notwendigen Hingabe und Begeisterung genutzt werden. Apropos Skiticketpreise: Da hat Schenner, auch was die Jugend betrifft, seine eigene Meinung. „Jugendliche von heute, sofern sie nicht aus niedrigen sozialen Schichten kommen, können sich durchaus viel leisten. Jugendliche leisten sich das, was sie sich gerne leisten wollen. Und genau da müssen wir als Skisport hinkommen.“
Um ein Produkt für Jugendliche dauerhaft interessant zu machen, brauche diese immer Vorbilder, die einen gewissen Lifestyle verkörpern und mehrere Dinge abdecken: Beim Skifahren, so Schenner, komme Lucas Braathen durchaus gut an; das sei ein Typ, der seine Meinung sage und den die Jugend irgendwie cool finde. Die beliebteste Athletin ist Snowboarderin Anna Gasser. Die Kärntnerin kann mit einem Gesamtpaket aus Eloquenz, Optik, Mode und Lässigkeit punkten.
Generell spielt die Ästhetisierung bei Jugendlichen eine entscheidende Rolle. Das ist beim Wintersport nicht anders. Ob junge Menschen einen Winterurlaub buchen, ist laut der Jugendstudie vor allem von folgenden Faktoren abhängig: ob sich die Werbung im richtigen Jugendlifestyle präsentiert und gängige Traumbilder zeigt, die der Gedanke an den Winterurlaub auslöst; ob die Kommunikation witzig bis ironisch ist; ob der Wintersportort diesen Traumbildern entsprechend gestaltet ist; und ob die Unterkünfte modern und stilvoll sind. „Die Jugendlichen denken und kaufen auch beim Skisport mit den Augen. Sie kaufen Emotionen. Lässige Outfits oder coole Frisuren bei Sportlern sind heutzutage ein Muss, um die Jugendlichen bei der Stange zu halten“, sagt Schenner und ergänzt: „Warum tragen viele Jugendliche einen Undercut? Weil Fußballer diese Frisur tragen und die Bilder in den sozialen Medien um die Welt transportiert werden.“
TikTok oder Instagram stärken das Bild und stehen oft im Zentrum des Interesses jugendlicher Mediennutzung. Die sozialen Medien sind daher ein Raum, in dem die im Tourismus Zuständigen mit schönen Bildern beim Nachwuchs punkten können. Die Jugendlichen schicken Freunden und Familienmitgliedern Bilder und Videos beim Skifahren oder lassen sich auf Instagram und Co. gerne von schönen Bildern berieseln. Ein Trend, den Tourismusverantwortliche erkannt haben und dem Rechnung getragen wird. Nicht selten übernehmen Influencerinnen und Influencer für einen gewissen Zeitraum einen Social-Media-Kanal eines großen Tourismusbetriebs und verbreiten dort ihre Stories. Das kann beim Nachwuchs, der dem Storytelling in sozialen Medien extrem viel Gehör und Aufmerksamkeit schenkt, durchaus gut ankommen.
Noch einmal zurück zur Jugendstudie: Viele Wintersportelnde fragen sich, wie lange man in Österreich überhaupt noch Ski fahren kann. Bis 2050 gilt der Wintersport als gesichert, so der einhellige Tenor von Expertinnen und Experten. Wie problematisch ist der Klimawandel für junge Menschen, denen man ein starkes gesellschaftliches Interesse für dieses Thema attestiert? Es zeigt sich: Der Klimawandel gilt in der Erhebungsgruppe als große Restriktion, aber weniger wegen des Einflusses auf das Weltklima, sondern weil er sich negativ auf die Pistenbeschaffenheit auswirkt. Nur mehr Maschinenschnee und enge Pisten mit Gedränge wirken abschreckend, so weitere Erkenntnisse.
Quelle: https://www.pressreader.com/austria/salzburger-nachrichten/20251206/282235196975430