Direkt zum Inhalt
gegen den zeitgeist
Veröffentlicht: 13.05.2026

Für den französischen Philosophen Foucault ist die Macht überall. La pouvoir est partout, meinte er. Und er hatte recht damit. Alle Institutionen, alle zwischenmenschlichen Beziehungen und jede Kommunikation ist mit Macht durchsetzt. Früher war die Macht materiell. Sie schlug zu, im wahrsten Sinne des Wortes. Heute ist sie primär Propaganda und Manipulation. Und sie kommt mit lachendem Gesicht daher.

Früher konnte die Macht dumm und dämlich sein. Denn überwiegend war sie ein Produkt der körperlichen Stärke und von überlieferten dynastischen Strukturen. Danach wurde Macht zur Frage der Hegemonie. In der Moderne ging es darum, die Menschen zu überzeugen, wollte man herrschen. Dazu war Intelligenz notwendig. In der Postmoderne ist die Macht wieder dämlich wie im Mittelalter. Denn ihr Herrschaftsmittel sind Bilder und emotionalisierende Sprachspiele, die überwiegend über Bild- und digitale Medien verbreitet werden.

Bauernschläue für Kleinkinder

Die wichtigsten Kompetenzen, um heute zu herrschen, sind Kaltschnäuzigkeit und das Talent, etwas darzustellen, was nicht der Fall ist. Die Macht herrscht heute durch Schwindel und Betrug. Und durch mediale Effekte, die Verstand und Vernunft narkotisieren und direkt auf den Affekthaushalt und die Emotionen der Menschen einwirken. Auf die Politik bezogen bedeutet dies, dass der ideale Politiker ein guter Schauspieler ist, der nicht notwendig intelligent sein muss. Denn Intelligenz tendiert zur Reflexion, erzeugt Skrupel und löst Scham aus. Unsere Politiker der Gegenwart kennen keine Scham. Sie sind geradezu dreist, impertinent und obszön in ihrer Geltungssucht – trotz horrender Inkompetenz. Aber das Schlimmste an ihnen ist, dass sie ihre Wählerschaft für blöd halten. Sie versuchen sie zu übervorteilen und zu täuschen, aber mit Tricks, auf die ihnen nicht einmal ein Kleinkind hereinfallen würde. Ihre Bauernschläue wäre selbst für die Manipulation einer Kleinkindgruppe im Kindergarten zu seicht.