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gegen den zeitgeist
Veröffentlicht: 06.12.2025
Die vom Netz­werk Win­ter beauf­tragte Jugend­stu­die wurde von Prof. Bern­hard Heinzl­maier vom Insti­tut für Jugend­kul­tur­for­schung durch­ge­führt. Diese beschäf­tigt sich mit dem Win­ter­tou­ris­mus und brachte inter­es­sante Erkennt­nisse. „Wir stel­len seit Jah­ren fest, dass immer mehr Jugend­li­che in Fami­lien auf­wach­sen, die kei­nen Win­ter­sport­be­zug haben. Damit wir diese nicht nur zum Ski­fah­ren ermu­ti­gen, son­dern auch die Hin­ter­gründe bes­ser ver­ste­hen, haben wir eine Jugend­stu­die bei einem renom­mier­ten Unter­neh­men in Auf­trag gege­ben“, erklärt Franz Schen­ner, Spre­cher des Netz­werk Win­ter.

 

Es war Schen­ners Idee, vom Insti­tut für Jugend­kul­tur­for­schung 2023 erst­ma­lig eine eigene Stu­die zum Thema „Jugend­li­che und Win­ter­tou­ris­mus“durch­füh­ren zu las­sen. Diese wurde dann zum ersten Mal beim Medien Forum Zukunft Win­ter, dort tref­fen sich all­jähr­lich Ent­schei­dungs­trä­ger und Bran­chen­ken­ner der Seil­bahn­wirt­schaft, vor­ge­stellt. Durch­ge­führt hat die Stu­die Prof. Bern­hard Heinzl­maier, der 2024 auch eine Wei­ter­ent­wick­lung die­ser Stu­die mit Fokus­grup­pen gemacht hat. „Somit haben wir für die Nach­wuchs­ar­beit im Ski­sport wich­tige Anhalts­punkte gefun­den, an denen wir uns ori­en­tie­ren kön­nen“, sagt Schen­ner.

Doch was sind nun die grund­le­gen­den Erkennt­nisse? Wie „cool“ist der Ski­sport für die heu­tige Jugend­kul­tur über­haupt (noch)? Wo lie­gen, auch in Zei­ten zuneh­men­der Digi­ta­li­sie­rung, ihre win­ter­sport­li­chen Inter­es­sen? „Von den 14- bis 29-Jäh­ri­gen fin­den 30 Pro­zent das Ski­fah­ren grund­sätz­lich cool. Kön­nen sich ihre Eltern das Ski­fah­ren in der Frei­zeit prei­s­tech­nisch lei­sten, sind die Jugend­li­chen stolz dar­auf. Das war eine wich­tige Erkennt­nis. Jedoch sind wir uns bewusst, dass wir nicht nur die Ober­schicht und die geho­bene Mit­tel­schicht anspre­chen, son­dern es auch ein nie­der­schwel­li­ges Ski­sport­an­ge­bot in Salz­burg geben muss“, so Schen­ner. Mit dem Ange­bot „Ski­fah­ren ler­nen in 3 Tagen“– hier kön­nen einige Tau­send Jugend­li­che im Rah­men von Schulski­kur­sen Ski­fah­ren ler­nen – ist Salz­burg hier tat­säch­lich ein Vor­rei­ter in Öster­reich. Die Schule und das Eltern­haus ent­schei­den stark dar­über mit, ob Jugend­li­che spä­ter ein­mal Ski fah­ren gehen oder nicht. Je frü­her der Ein­stieg in den Ski­sport alter­s­tech­nisch erfolgt, desto sta­bi­ler ist das spä­tere Ver­hal­tens­mu­ster. Je frü­her Kin­der Ski­fah­ren ler­nen, desto inten­si­ver und regel­mä­ßi­ger

„Jugend­li­che lei­sten sich das, was sie sich gerne lei­sten wol­len.“Franz Schen­ner, Netz­werk Win­ter

wird nach dem 20. Lebens­jahr der Ski­lauf betrie­ben. „Wir infor­mie­ren das Eltern­haus regel­mä­ßig über wich­tige Punkte, denn die Eltern müs­sen auf dem neue­sten Stand der Ent­wick­lun­gen sein. Nur über die Erzie­hungs­be­rech­tig­ten kön­nen wir die Ski fah­rende Jugend geziel­ter anspre­chen“, sagt Schen­ner.

Fakt ist, dass gesell­schaft­li­che Kri­sen in den letz­ten zehn Jah­ren noch ein­mal stark zuge­nom­men haben und sich auf das Frei­zeit­ver­hal­ten aus­wir­ken. 2015 nahm die Flücht­lings­krise ihren Anfang, die Kri­sen setz­ten sich unter ande­rem mit der Ver­schär­fung der Kli­ma­krise, der Coro­na­pan­de­mie und einer Wirt­schafts­krise fort. All das wirkt sich nicht nur auf Erwach­sene, son­dern auch auf die Jugend aus. Men­tale und kör­per­li­che Erschöp­fung macht sich bei vie­len Jun­gen breit – und der Ruf nach Urlaub und Ferien, also Erho­lungs- und Rege­ne­ra­ti­ons­pha­sen im posi­ti­ven Sinne, wird lau­ter und lau­ter. „Inter­es­sant war, dass die Jugend­li­chen beim Ski­fah­ren eigent­lich kei­nen großen Wert mehr auf Party legen. Sie sagen: ,Das ist eher etwas für ältere Seme­ster!‘ Viele Jugend­li­che gehen im Ski­ur­laub gerne frü­her ins Bett, damit sie am näch­sten Tag schon früh auf der Ski­pi­ste ihre Schwünge in den Schnee zau­bern kön­nen“, führt Schen­ner aus.

Win­ter­ur­laub, das sind heute für die Jugend­li­chen eher erhol­same Tage mit Fami­lie und Freun­den. Win­ter­sport wird viel­mehr als hoch­wer­ti­ges Qua­li­täts­pro­dukt gese­hen, das man nicht nur so neben­bei kon­su­mie­ren sollte. Nach dem Motto: Wenn man sich die­ses hoch­prei­sige Qua­li­täts­pro­dukt gönnt, dann soll es auch mit der not­wen­di­gen Hin­gabe und Begei­ste­rung genutzt wer­den. Apro­pos Ski­ticket­preise: Da hat Schen­ner, auch was die Jugend betrifft, seine eigene Mei­nung. „Jugend­li­che von heute, sofern sie nicht aus nied­ri­gen sozia­len Schich­ten kom­men, kön­nen sich durch­aus viel lei­sten. Jugend­li­che lei­sten sich das, was sie sich gerne lei­sten wol­len. Und genau da müs­sen wir als Ski­sport hin­kom­men.“

Um ein Pro­dukt für Jugend­li­che dau­er­haft inter­es­sant zu machen, brau­che diese immer Vor­bil­der, die einen gewis­sen Lifestyle ver­kör­pern und meh­rere Dinge abdecken: Beim Ski­fah­ren, so Schen­ner, komme Lucas Braa­then durch­aus gut an; das sei ein Typ, der seine Mei­nung sage und den die Jugend irgend­wie cool finde. Die belieb­te­ste Ath­le­tin ist Snow­boar­de­rin Anna Gas­ser. Die Kärnt­ne­rin kann mit einem Gesamt­pa­ket aus Elo­quenz, Optik, Mode und Läs­sig­keit punk­ten.

Gene­rell spielt die Ästhe­ti­sie­rung bei Jugend­li­chen eine ent­schei­dende Rolle. Das ist beim Win­ter­sport nicht anders. Ob junge Men­schen einen Win­ter­ur­laub buchen, ist laut der Jugend­stu­die vor allem von fol­gen­den Fak­to­ren abhän­gig: ob sich die Wer­bung im rich­ti­gen Jugend­li­festyle prä­sen­tiert und gän­gige Traum­bil­der zeigt, die der Gedanke an den Win­ter­ur­laub aus­löst; ob die Kom­mu­ni­ka­tion wit­zig bis iro­nisch ist; ob der Win­ter­spor­tort die­sen Traum­bil­dern ent­spre­chend gestal­tet ist; und ob die Unter­künfte modern und stil­voll sind. „Die Jugend­li­chen den­ken und kau­fen auch beim Ski­sport mit den Augen. Sie kau­fen Emo­tio­nen. Läs­sige Out­fits oder coole Fri­su­ren bei Sport­lern sind heut­zu­tage ein Muss, um die Jugend­li­chen bei der Stange zu hal­ten“, sagt Schen­ner und ergänzt: „Warum tra­gen viele Jugend­li­che einen Under­cut? Weil Fuß­bal­ler diese Fri­sur tra­gen und die Bil­der in den sozia­len Medien um die Welt trans­por­tiert wer­den.“

Tik­Tok oder Ins­ta­gram stär­ken das Bild und ste­hen oft im Zen­trum des Inter­es­ses jugend­li­cher Medi­en­nut­zung. Die sozia­len Medien sind daher ein Raum, in dem die im Tou­ris­mus Zustän­di­gen mit schö­nen Bil­dern beim Nach­wuchs punk­ten kön­nen. Die Jugend­li­chen schicken Freun­den und Fami­li­en­mit­glie­dern Bil­der und Videos beim Ski­fah­ren oder las­sen sich auf Ins­ta­gram und Co. gerne von schö­nen Bil­dern berie­seln. Ein Trend, den Tou­ris­mus­ver­ant­wort­li­che erkannt haben und dem Rech­nung getra­gen wird. Nicht sel­ten über­neh­men Influ­ence­rin­nen und Influ­encer für einen gewis­sen Zeit­raum einen Social-Media-Kanal eines großen Tou­ris­mus­be­triebs und ver­brei­ten dort ihre Sto­ries. Das kann beim Nach­wuchs, der dem Sto­ry­tel­ling in sozia­len Medien extrem viel Gehör und Auf­merk­sam­keit schenkt, durch­aus gut ankom­men.

Noch ein­mal zurück zur Jugend­stu­die: Viele Win­ter­spor­telnde fra­gen sich, wie lange man in Öster­reich über­haupt noch Ski fah­ren kann. Bis 2050 gilt der Win­ter­sport als gesi­chert, so der ein­hel­lige Tenor von Exper­tin­nen und Exper­ten. Wie pro­ble­ma­tisch ist der Kli­ma­wan­del für junge Men­schen, denen man ein star­kes gesell­schaft­li­ches Inter­esse für die­ses Thema atte­stiert? Es zeigt sich: Der Kli­ma­wan­del gilt in der Erhe­bungs­gruppe als große Restrik­tion, aber weni­ger wegen des Ein­flus­ses auf das Welt­klima, son­dern weil er sich nega­tiv auf die Pisten­be­schaf­fen­heit aus­wirkt. Nur mehr Maschi­nen­schnee und enge Pisten mit Gedränge wir­ken abschreckend, so wei­tere Erkennt­nisse.

 

Quelle: https://www.pressreader.com/austria/salzburger-nachrichten/20251206/282235196975430