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gegen den zeitgeist
Buchcover 491 Tage von Eli Sharabi, Geisel der Hamas
Veröffentlicht: 31.12.2025

In der Weihnachtszeit durchstreifte ich gelangweilt die Thalia-Filiale im Quarree Wandsbek. Ich muss einfach in alle Buchhandlungen hineingehen, die mir unterkommen. In manchen bin ich richtig aufgeregt, wie zum Beispiel bei der linken Buchhandlung in der Nähe der roten Flora im Schanzenviertel, weil man dort immer interessante und ungewöhnlicher Leckerbissen findet. Auch die ÖGB-Buchhandlung neben dem neuen Institutsgebäude der Uni Wien ist ein aufregender Ort für Leser, die auf Überraschungen aus sind. Ein Geheimtipp ist übrigens die katholische Buchhandlung Herder in der Wollzeile in Wien. Die philosophische Abteilung ist genial. Aus der Buchhandlung Herder komme ich nie ohne einer Rechnung unter hundert Euro wieder heraus. Ich muss zugeben, dass ich den Großteil meines Geldes für Bücher und Bücherregale ausgebe. Die Regale baut meine Frau zusammen, weil ich dazu absolut zu blöd bin. Ich sortiere dann die Bücher ein. 

Konsumfrust und Bücherlust

Außer Bücher und Buchregale interessieren mich keine Konsumgüter. Meine Bekleidung wird immer nachlässiger, weil sie mir über die Jahre völlig gleichgültig geworden ist. Und meine Haare kratze ich mit einem alten Rasierer vom Kopf. Früher habe ich auch Geld für Tätowierungen ausgegeben. Aber auch das tue ich nicht mehr, weil meine Frau, Absolventin der Hochschule für Angewandte Kunst, meine Ideen nicht in reproduzierbare Vorlagen verwandelt. So verhindert sie, dass meine absolut abstoßenden und frevelhaften Vorstellungen auf meinem Körper landen. Also langer Rede kurzer Sinn, abgesehen von meiner Familie und drei Freunden sind Bücher das einzige, was mich im Leben wirklich interessiert. 

Traurige Buchkultur im Wandsbeker Quarree

Die Thalia-Filiale in Wandsbek ist für Bücherfreunde kein lohnender Ort, außer man will der Spiegel Bestsellerliste begegnen. Grundsätzlich möchte ich ja mit allem, was der Spiegel empfiehlt, nichts zu tun haben. Früher habe ich das Magazin gelesen, heute kann ich es nicht einmal mehr sehen, ohne Ekel zu verspüren. Wenn es im Zeitschriftenladen vor mir liegt, muss ich mich abwenden, sonst überkommt mich die blanke Wut, alleine wenn ich das Cover erblicke. Die stereotype Regierungspropaganda ist nicht auszuhalten für jemanden, der es noch nicht aufgegeben hat, selber zu denken. 

Ähnlich die Sachbücher, die bei Thalia in Wandsbek ausliegen. Es sind durchwegs Titel, in denen es um die Rettung der Demokratie vor der AfD, die bevorstehende Klimakatastrophe, den dämonischen Putin oder verdrehte, postmoderne, mit dem Neoliberalismus kompatible Identitätsentwürfen geht. Das alles ärgert mich nicht nur. Zudem empfinde ich es zugleich zutiefst langweilig. Hat man eines dieser Bücher gelesen, dann kennt man sie alle. 

Eli Sharabis verstörende Erinnerungen 

Aber dieses Mal sprang mich ein Buch förmlich an, das aus den Haufen konformistischer Massenprodukte herausstach. In großen Lettern stand darauf "491 Tage". Bei näherem Hinsehen konnte man noch lesen: "In den Tunneln der Hamas." Der Autor war mir völlig unbekannt, ein gewisser Eli Sharabi. Nachdem ich einige Seiten überflogen hatte, habe ich das Buch gekauft, bin sofort nach Hause gefahren und habe es dort in einem Zug durchgelesen. Es war zwei Uhr am Morgen, als ich das Licht ausgemacht habe.

Der muslimische Todeskult ist erbarmungslos

Erzählt wird die erschütternde Geschichte eines Mannes, der am 7. Oktober 2023 aus dem Kibbuz Be´eri entführt wird. Seine Frau und seine beiden Töchter werden an Ort und Stelle ermordet. Später wird er erfahren, dass seine Frau ihre beiden Kinder fest umklammert hielt, als sie erschossen wurden. Wo so viel Brutalität, Fanatismus, Verbohrtheit, Hass und hemmungsloses Mordlust herrscht, wie bei der Hamas, den Vertretern eines besessenen muslimischen Todeskultes, kann selbst eine zur absoluten Aufopferung bereite Mutter ihre Kinder nicht retten. Sie stirbt mit ihnen gemeinsam. Die beiden Mädchen waren 13 und 16 Jahre alt. Die ganzen 491 Tage seiner Gefangenschaft hat den Autor des Buches die Hoffnung an ein Wiedersehen mit seiner Familie aufrechterhalten. Am Ende wurde sie enttäuscht. 

Zivilbevölkerung radikaler und bestialischer als die Hamas-Schergen

Das Buch räumt mit vielen Narrativen auf, die die Hamas und ihre politische Anhängerschaft, vor allem die linken Parteien und die woke Bewegung, verbreitet. So hat der Autor des Buches die Zivilbevölkerung Gazas mehr gefürchtet als die Schergen der Hamas, die ihn bewacht haben. Gleich zu Beginn seiner Entführung musste die Hamas den Mann vor einer aufgebrachten Menschenmenge schützen, die ihn "in Stücke reißen wollte", wie er schreibt. Ortswechsel müssen unter strengsten Sicherheitsreglements durchgeführt werden. Die Hamas hatte dabei mehr Angst vor der radikalisierten Zivilbevölkerung als vor den Bomben der IDF. Die Unterbringung der Geisel fand vorübergehend in Familien statt, die ein besonderes Naheverhältnis zur Hamas hatten. Diese Familien waren, wie übrigens auch die Bewacher der Geisel, total "brainwashed". Sie hingen an den Lippen ihrer Anführer, die über lokale TV-Stationen zu ihnen sprachen. 

Dahinvegetieren in den Tunneln der Hamas

Die meiste Zeit seiner Geiselhaft verbrachte Eli Sharabi in den Tunneln der Hamas. Die Zustände waren dort hygienisch katastrophal. Und auch die Nahrungsmittel waren entweder verdorben oder nicht ausreichend. Die Gefangenen hungerten und magerten bis auf die Knochen ab. Erst wenn höherrangige Hamas-Offiziere auf die Missstände aufmerksam wurden, wurden die Essensrationen größer. Aber dies geschah nicht aus Menschlichkeit. Der Grund war alleine, dass die Gefangenen ihren Wert als Austauschprodukt verloren, wenn sie in den Katakomben starben. Erlitt die Hamas an der Kriegsfront Rückschläge, mussten die Geisel dafür büßen. Sie bekamen weniger zu essen, zum Teil werden sie auch wutentbrannt misshandelt. Eli Sharabi wird einmal dermaßen zusammengeschlagen, dass er mehrere Tage nicht von seinem schmutzigen Lager aufstehen kann. Die Schmerztabletten, die er dann bekommt, drei oder vier Stück, muss er sich erbetteln. Wie überhaupt die Geisel sich alles erbetteln müssen, auch wenn es nur um das Waschen eines stinkenden T-Shirts geht, das schon seit Wochen am Leib getragen wurde.

Die Hamas-Tunnel als unterirdisches Auschwitz

Manche Szenen aus der unterirdischen Tunnelwelt der Hamas erinnern an die Konzentrationslager der Nazis. Der Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, lebte mit seiner Familie in einer Villa direkt neben dem Lager und führte dort ein idyllisches Familienleben, während die Rauchschwaden aus den Verbrennungsöfen durch den Garten des Hauses zogen und man die Schreie der gequälten Häftlinge aus der Ferne hören konnte. Wie die Nazi-Schergen auch die Hamas-Monster. Gerade die unmenschlichsten und niederträchtigsten Bewacher telefonierten liebevoll mit ihren Kindern. 

Vor allem wenn die Hamas-Leute in Gruppen auftreten, versuchen sie sich an Grausamkeit und Niedertracht zu überbieten. Sind sie alleine, dann erweicht das Betteln der ausgehungerten Geisel auch schon einmal ihr Herz und sie werfen ihnen ein Stück Brot oder einen Apfel zu. Das einzige, was an den Hamas-Leuten authentisch ist, ist ihr Antisemitismus, der seiner Intensität nach mit dem der Nazi-Wächter in den KZs vergleichbar ist und ihre Brutalität, die den Autor an die Schonungslosigkeit von mittelalterlichen Barbaren erinnert. Es wird immer wieder deutlich, dass die Brutalität und Unmenschlichkeit nicht nur dem Hass auf die Juden geschuldet ist, sondern auch eine natürliche Folge der niederen Zivilisationsstufen ist, auf der sich diese Kultur bewegt. 

Barbaren ohne idealistische Motive

Der einzige Antrieb der Hamas-Bestien sind der Antisemitismus und die natürliche Disposition zur Rohheit und zur Barbarei einer niedrigen kulturellen Entwicklungsstufe. Hier schimmert der unabgeschlossene Prozess der Zivilisation in dieser Gruppe durch. Ein idealistisches Motiv ist nicht zu erkennen. Die Hamas-Bewacher haben sich für den Terrorismus entscheiden, weil ihnen die Hamas-Führung im Ausgleich für ihre barbarischen Tagen materielle Vorteile verspricht. "Sie haben kapiert, wo das Geld fließt und wer die Macht hat, und diesem Weg sind sie gefolgt." 

Trigger-Warnung - das Buch fährt nachhaltig in die Knochen

Das Buch ist starker Tobak. Einerseits bewundert man durchgehend die psychische Stärke des Autors, der immer versucht, strukturiert und von vernünftigen Erwägungen geleitet vorzugehen und sich auch noch um die psychische Stabilität seiner jungen und unerfahrenen Mitgefangenen kümmert. Gleichzeitig fährt dem Leser die Ohnmacht und das Ausgeliefertsein der Gefangenen in die Knochen. Am Ende entscheiden die Emotionen und Launen der Bewacher darüber, ob die Geisel überleben oder nicht, ob man sie durchfüttert oder langsam verrecken lässt. Bedrückend auch die klaustrophobische Atmosphäre in den unterirdischen Tunnelanlagen, in denen die Entführten monatelang gehalten werden wie Tiere. Kommen Sie einmal für kurze Zeit nach oben, dann ist das Tageslicht messerscharf und blendet den Blick. 

Die "120 Tage von Sodom"

Der Autor ist durch das bestialisches Szenario der "120 Tage von Sodom" von Pasolini gegangen und kommt am Ende verpanzert in die Normalität zurück. Nachdem er das Grab seiner Frau und seiner Töchter besucht hat, resümiert er: "Das hier ist der Tiefpunkt. Ich habe ihn gesehen, Ich habe ihn berührt. Jetzt, Leben." Die Schlusspassage klingt ein wenig nach einer verzweifelten Durchhalteparole. Ein Mensch, der diese Hölle durchgemacht hat, kann nicht mehr derselbe sein, der er früher war und dort weitermachen, wo er in seiner Normalbiographie unterbrochen wurde. Ob er jemals wieder unbeschwert wird lachen können? Ob ihn unerträgliche Verlustängste quälen werden, wenn er sich wieder auf starke emotionale Bindungen einlässt? Ob er nicht ein Leben lang wird mehr unterdrücken müssen, als er verdrängen kann und sich dadurch ständig am Rande der Neurose bewegen wird? An einer Stelle des Buches wird von einem Mitgefangenen erzählt, dass sich manche Geiseln von ihren Entführern losgerissen haben und davongelaufen sind, im Wissen, dass das den sicheren Tod  für sie bedeuten würde. Haben sie sich erschießen lassen, weil sie wussten, was ihnen droht? Wollten sie lieber tot sein, als ein Mensch zu werden, der durch die Hölle gegangen ist, ein Mensch mit einem dicken Panzer, durch den nichts mehr nach außen gehen und der undurchlässig für alles ist, das von außen kommt, also quasi unberührbar geworden ist? Jedenfalls sei vor diesem Buch gewarnt. Auch wer es liest, wird nie wieder so sein, wie er davor war. Die mentalen Bilder, die der Text entstehen lässt, brennen sich ein. Sie sind prädestiniert dafür in den Träumen wiederzukehren. Man wird ein Leben lang nicht mehr von ihnen frei. Wie von den Bildern von Auschwitz. 

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