In Österreich steht die Regierung am Abgrund. Es stellt sich nur noch die Frage, ob sie selber springt oder man sie stoßen muss. Die Stimmung in den drei Regierungsparteien ist bleiern. Selbst dem Streit und den Intrigen fehlt der Esprit. Gäbe es nicht den Ruck-Ludwig-Skandal, wäre auch schon das entnervte Elektorat einer drückenden Langeweile erlegen.
Im Jahr 1967 wurde ein Jahrhundertwerk veröffentlicht: „Die Gesellschaft des Spektakels“ von Guy Debord, dem geistig-intellektuellen Kopf einer Künstlerbewegung, des Situationismus. Der Situationismus wollte der Überflussgesellschaft ihre verlogene Maske vom Gesicht reißen, indem er sie spiegelte. Im Straßburger Dom trat ein falscher Priester auf und faszinierte die Kirchengemeinde mit einer hypnotisierenden Rede. Erst als er am Ende den Tod Gottes postulierte, merkte die träge Masse den Betrug. Der flüchtende Mann wurde verfolgt, konnte aber in der Menschenmenge vor dem Dom entkommen. Mit einem Schlag war die schmucke Oberflächlichkeit der Kirchenrhetorik und die gleichgültige Gemeinschaft der Gläubigen, die sich gedankenlos Woche für Woche in weihrauchschwangerer Atmosphäre zur oberflächlichen Andacht verführen lässt, enttarnt. Eine Provokation, die Wirkung erzielte, genauso wie der Studentenchor, der bei einem Festakt an der Ruhr-Universität Bochum, bei dem auch der deutsche Bundespräsident anwesend war, im Hochsommer so lange Weihnachtslieder sang, bis sich die Versammlung verzweifelt zerstreute. Die Lächerlichkeit eines entleerten Rituals war offensichtlich gemacht worden, die Gäste der Festveranstaltung gingen desillusioniert nach Hause.
Stumpfsinnige Ego-Politik im demoskopischen Sturzflug
Gerade eilt die österreichische Bundesregierung von einer Niederlage zur nächsten. Jede Umfrage zur Lage der Politik ist wie ein Peitschenschlag auf ihren trägen Leib. Österreich braucht keinen Situationismus, um die zu einer Aneinanderreihung von peinlichen Klein-Spektakeln verkommene Regierungspolitik als lächerlich zu enttarnen. Das macht die Regierung selbst. Weil sie über keinen einzigen brauchbaren Rollenspieler mehr verfügt. Mit einer Truppe von Laiendarstellern kann man das Volk weder faszinieren noch in sinnliche Trance versetzen. Durch wohlklingende Worte und schöne Bilder lässt sich sein Verstand nicht mehr betäuben. Das Volk ist wach und aufmerksam – aus der täglichen Not heraus, die es quält. Die Inflation lag im Juni bei 3,2 Prozent, das Wirtschaftswachstum dümpelt bei 0,6 % herum und die Ausländerkriminalität explodiert. Man kommt gar nicht mehr mit dem Zählen der Massenschlägereien, Vergewaltigungen und Messerattacken nach. Migrantische Banden und Clans beherrschen in den ehemaligen Arbeiterbezirken Wiens die Szenerie. Und die Regierung tut nichts, außer dass sie versucht, sich durch eine sogenannte Qualitätsmedienförderung das Schweigen der Presse über die Folgen der Migrationskatastrophe zu erkaufen.
Eine Regierung auf der Flucht vor dem Volk