Gerade erfahre ich, dass es bei der bevorstehenden „Sommergesprächstour“ unseres Bundeskanzlers eine Registrierungspflicht gibt und ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen werden muss, damit interessierte Bürger überhaupt daran teilnehmen dürfen.
Das Auswahlverfahren ist tatsächlich ein Gesinnungstest. Im vorgelagerten Testverfahren wird genau abgefragt, ob man politisch „ganz links“, „eher links“, „in der Mitte“, „eher rechts“ oder „ganz rechts“ positioniert ist. Damit soll sichergestellt werden, dass Herr Stocker nur mit Seinesgleichen zusammentrifft. Er geht also auf Tour, um ein politisches Selbstgespräch zu führen. Eine Farce sondergleichen.
Abgekapselte politische Klasse
Die Qualität der politischen Elite wird in der Regel anhand ihrer Responsivität beurteilt. Das bedeutet, je größer ihr Wille und ihre Fähigkeit zum Austausch mit dem Volk ist, desto geeigneter ist sie, demokratisch zu regieren. Bei den österreichischen Regierungsparteien liegt die Gesprächskompetenz offensichtlich ganz nahe bei null. Wir haben es mit einer elitären Riege zu tun, die das Volk nicht in ihre unmittelbare Nähe lassen möchte. Dementsprechend werden zum Dialog mit dem Bundeskanzler nur Auserwählte zugelassen, die dem Herrscher die ihm zukommende untertänige Ehrerbietung erweisen und brav das konformistische Männchen machen, wenn dieser zweimal in die Hände klatscht. Diese Mentalität hat Stocker aus dem niederösterreichischen Wiener Neustadt ins Bundeskanzleramt mitgebracht. In Niederösterreich wird ja in alter ÖVP-Manier nach wie vor nach Gutsherrenart regiert. Wer den Landesherren nicht passt, der ist zur feinen Gesellschaft der Privilegierten nicht zugelassen oder er wird rüde vom Hof gejagt, wenn er unrechtmäßig an ihrem Gabentisch Platz genommen hat.