Der Bundeskanzler hat eine Empörungswelle ausgelöst. Wodurch? Durch eine banale Aussage, die besonders eindrucksvoll die Unfähigkeit seines gesamten Beraterkreises offengelegt hat. Dass alles zum Skandal wurde, ist nämlich ausschließlich deren Unvermögen zuzuschreiben, dem Wissen und Meinen des Alltagsverstandes klar und verständlich zu begegnen. Wenn man natürlich so uneindeutig und verwirrend spricht, wie es der Bundeskanzler zu den Themen Familienarbeit und Kinderbetreuung getan hat, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich die Tore der bösartigen und ausnahmslos berechnenden österreichischen Politikhölle öffnen und Gift gespuckt wird.
Lohnarbeit ist sinnentleerte Arbeit mit geringer emotionaler Anteilnahme
Wenn man den Gedanken ehrlich zu rekonstruieren versucht, den Stocker zu äußern versucht hat, dann ist eigentlich alles das, was er sagen wollte, gar nicht so falsch. Care-Arbeit und Lohnarbeit sind tatsächlich unterschiedliche Dinge. Lohnarbeit ist im postmodernen Kapitalismus im Übermaß sinnentleert und keiner der ihr unterworfenen Menschen verrichtet sie mit Passion und Hingabe. Sie wird überwiegend des Geldes und der narzisstischen Befriedigung wegen gemacht. Um die Sache geht es der Masse der durch Lohnarbeit geschundenen Menschen nicht. Könnte mir jemand einen Grund nennen, warum ein Handelsangestellter seine Arbeit mit Freude erledigen sollte? Er verrichtet sie wegen des Gelds und eventuell wegen der Aussicht auf eine bessere Position in der betrieblichen Hierarchie.
Wer stupide Tätigkeiten mit Hingabe macht, der ist verrückt. Was ich sage, klingt überheblich, ist es aber nicht, denn auch ich verrichte den überwiegenden Teil meiner entfremdeten Arbeit natürlich aus rein materialistischen Motiven und wegen der immer wiederkehrenden Anflüge von Narzissmus und Eitelkeit. Wären diese beiden Faktoren nicht im Spiel, keinen Tag würde ich mein Haus verlassen und natürlich keine einzige Tageszeitung und schon gar nicht die "Bückmedien" Profil oder Spiegel lesen. Ich tue es, weil ich muss. Und das sollte auch der Unterschied zwischen Lohnarbeit und Care-Arbeit sein. Lohnarbeit ist beinharte Notwendigkeit, Care-Arbeit ist eine Arbeit des Herzens, voller Hingabe und Anteilnahme, auch wenn sie oft schwer und zermürbend ist.
Anerkennung wird im Kapitalismus NUR durch Geld ausgedrückt
Die einzige Möglichkeit, im Kapitalismus Anerkennung auszudrücken, ist Geld. Schöne Sprüche des Chefs interessieren weder den Arbeiter am Hochofen noch die Frau an der Registrierkasse noch mich, wenn ich irgendwo vor einer Kamera stehe. Wir drei machen unsere Arbeit korrekt und professionell, aber nur aus dem Gesichtspunkt heraus, dass wir dafür bezahlt werden. Wir unterwerfen uns doch nicht aus Freude an dem uns von der Lohnarbeit aufgezwungenen Arbeitsgegenstand dem Kapitalverhältnis? Es ist primär das Geld, das uns bei der Stange hält. Diesen oben beschriebenen Unterschied zwischen Care-Arbeit und Lohnarbeit wollte Stocker vermitteln, leider ist er daran völlig gescheitert und geradewegs in die immer gewetzten Messer der Linken gerannt.
Praktisches Beispiel für die Motivation zur Care-Arbeit