Die SPÖ-Parteivorsitzenden aller Bundesländer hatten sich auf eine gemeinsame Vorgangsweise zur Ablöse von Andreas Babler geeinigt. Frohgemut sind sie dann vom Rathaus zum Nobelhotel Steigenberger geschlendert. Einen sicheren Sieg glaubten sie in der Tasche zu haben. Aber dort angekommen, wurden sie von einem entschlossenen Provinzbürgermeister unelegant abserviert. Denn Babler dachte gar nicht daran, sein informell gegebenes Versprechen, Parteivorsitz und Regierungsamt zurückzulegen, einzuhalten. Was er anbot, war lediglich eine geordnete Übergabe, die sich über die lange und damit ruinöse Zeit von sechs Monaten ziehen könnte. Und zudem bekundete er die Absicht, auch nach der Übernahme seines Nachfolgers der Regierung als Minister für Minister für Medien, Wohnbau und Kunst angehören zu wollen.
Die Revolte der Bundesländer wurde zum Rohrkrepierer
Die Landeshauptleute protestierten in der Sitzung nur kurz gegen den Alleingang des hölzern daherkommenden, aber gleichzeitig bauernschlauen Parteichefs. Denn im Raum stand unausgesprochen die Drohung, dass Babler das statutarisch vorgesehene Instrument der Mitgliederbefragung zur Anwendung bringen könnte. Und der unberechenbaren SPÖ-Basis konnte von den erschüttert dasitzenden Landeschefs durchaus zugetraut werden, den unberechenbaren Vorsitzenden im Amt zu bestätigen. Das hätte Babler dann auf Jahre einzementiert. Als erster brach der unberechenbare Martin Winkler aus Oberösterreich aus der Einheitsfront aus. Damit begann die Babler-Ablösefront der Rathausverschwörer langsam zu zerbröseln. Warum? Es fehlte ihr eine Führungsfigur. Dass der Wiener Bürgermeister Ludwig eine solche nicht ist, war von Anfang an klar. Auch Hans Peter Doskozil aus dem Burgenland hätte sich an die Spitze der Rebellion stellen können, aber er sah sich lieber genüsslich den Untergang Ludwigs aus sicherer Distanz an. Nach Ludwigs kapitaler Niederlage stand er auf, ging zum Auto und fuhr zufrieden zurück ins Bundesland. Auf die peinliche Pressekonferenz hat er dankend verzichtet. Die jungen Löwen Lercher und Fellner waren alleine zu schwach, das Heft des Handelns an sich zu reißen. Der Niederösterreicher Hergovich hält sich sowieso aus allem feige heraus und auch der völlig erschöpft wirkende ÖGB-Chef Katzian rührte keinen Finger.
Und so stand Babler am Ende lächelnd vor einem Haufen von Versagern, die nicht damit gerechnet hatten, dass der, der die Partei innerhalb von zwei Jahren auf 15 Prozent heruntergewirtschaftet hatte, so dreist sein könnte, sich nicht freiwillig zu trollen und um seine Macht kämpfte. Babler erkannte, dass Ludwig nackt war. Warum ist Babler nicht wie angekündigt gegangen? Weil er angesichts des müden und opportunistischen Haufens seine Strategie spontan geändert hat und pokerte. Sein Einsatz war hoch, aber er gewann. Warum? Weil seine Gegner keine Einheit waren, sondern eine poröse Gruppe von Narzissten, eine Mischung aus jungen Angsthasen und aus alten erschöpften Leittieren – und zudem keinen Alternativkandidaten hatten, der sofort übernehmen hätte können. An dieser Stelle hat es sich gerächt, dass die ganze Parteiführung einerseits aus überalterten Männern, die mehr von ihrem politischen Leben hinter sich als vor sich haben, und aus einer Truppe von relativ unerfahrenen Jungspunden besteht. Eine solche fatale Mischung – die einen erschöpft, die anderen unfertig – ergibt Chaos und Unfähigkeit zum Handeln. Weil Babler nichts beherrscht außer das Taktieren und die Parteiintrige, aber das perfekt, durchschaute er die Situation sofort und nutzte sie beinhart aus.